Alle reden darüber, aber alle stehen woanders
Gemeinsam mit Evelyn war ich (Edda) beim AI Enabling Day der Österreich Werbung in Wien. Zwei Tage voller KI im Tourismus, spannender Workshops, interessanter Keynotes und unterschiedlicher Perspektiven aus dem österreichischen Tourismus.
Besonders interessant fand ich, wie unterschiedlich KI in den Tourismusregionen bereits eingesetzt wird. Manche haben konkrete KI-Anwendungen in ihre Prozesse integriert, andere stehen noch am Anfang. Und gerade kleinere Organisationen mit wenigen Mitarbeiter:innen müssen KI zusätzlich zum ohnehin umfangreichen Tagesgeschäft bewältigen.
Durch meine langjährige Erfahrung im Tourismus weiß ich, wie vielfältig die Aufgaben in einer Tourismusorganisation sind. Deshalb halte ich wenig davon, allen dieselbe KI-Lösung zu empfehlen.
Die entscheidende Frage ist nicht: Welche KI-Tools nutzen die anderen? Sondern: Was möchten wir eigentlich erreichen?


Erst die Zielgruppe, dann die KI
Diese Frage begegnet mir auch im Arbeitsalltag bei crosseye immer wieder.
Wenn wir mit Hotels an Marketingstrategien arbeiten, müssen zuerst die Grundlagen stimmen: Wer sind meine Gäste? Welche Zielgruppen möchte ich erreichen? Wofür steht mein Betrieb? Was unterscheidet mich von meinen Mitbewerb?
Personas, Zielgruppenanalysen und eine klare Positionierung gehören seit vielen Jahren zum Marketing. KI hat diese Grundlagen nicht neu erfunden, kann uns aber bei der Weiterentwicklung unterstützen, neue Perspektiven aufzeigen und unsere Annahmen hinterfragen.
KI kann Gedanken aufgreifen, auf die ich selbst vielleicht nicht gekommen wäre. Aber sie ersetzt weder Erfahrung noch kritisches Denken. Und schon gar nicht die Entscheidung, welche Strategie wirklich zum Betrieb passt.
Nur weil gerade alle etwas machen, muss ich noch lange nicht mitmachen. Das war übrigens schon vor KI keine besonders gute Strategie.
KI-Sichtbarkeit: Ein Thema, das uns bei crosseye täglich beschäftigt
Im GEO-Workshop mit Thomas Peham von OtterlyAI ging es um die Sichtbarkeit von Hotels und Tourismusregionen in KI-Systemen wie ChatGPT oder Google AI. Ein Thema, mit dem wir uns bei crosseye bereits intensiv beschäftigen.
Was fragen unsere Gäste eigentlich?
Während früher vielleicht nach „Wellnesshotel Steiermark“ gesucht wurde, lauten KI-Anfragen heute beispielsweise:
„Wir suchen für November ein ruhiges Wellnesshotel in der Steiermark, mit guter Küche und nicht zu groß. Was empfiehlst du?“
Zielgruppe, Reisezeit und persönliche Wünsche spielen dabei eine wichtige Rolle.
Im Workshop ging es deshalb um relevante Prompt-Sets. Eine interessante Grundlage bietet die Google Search Console: Mit einem Regex-Filter lassen sich tatsächliche Suchanfragen in Frageform identifizieren und für die Prompt-Recherche nutzen.
Auch Query Fan-out war Thema: KI kann eine komplexe Frage in mehrere Teilfragen zerlegen. Deshalb müssen Website-Inhalte nicht nur allgemeine Themen behandeln, sondern konkrete Fragen potenzieller Gäste beantworten.
Mit diesem Thema beschäftigen wir uns bei crosseye schon länger. Evelyn hat dazu bereits im letzten Jahr einen Blogartikel über Query Fan-out geschrieben.
Die eigene Website ist nicht alles
Besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung externer Quellen wie Reiseportale, Bewertungen, Regionsseiten und Fachmedien.
Für uns bei crosseye ist das kein neues Thema. Vernetzung und einheitliche Unternehmensinformationen auf relevanten Plattformen waren schon immer wichtig. Durch die KI-Suche bekommt das Thema allerdings noch einmal zusätzlichen Schub.
Mit unseren WebListings unterstützen wir Tourismusbetriebe dabei, ihre digitale Präsenz über die eigene Website hinaus aktuell und einheitlich zu halten.
Quelle ist nicht gleich Empfehlung
Ein Punkt ist mir besonders wichtig: Nur weil eine Hotelwebsite von einer KI als Quelle verwendet wird, bedeutet das noch lange nicht, dass das Hotel auch empfohlen wird.
Das erleben wir bei unseren Analysen mit der Google Search Console und den Bing Webmaster Tools. Eine Seite zum Thema Wandern kann in KI-Ergebnissen als Quelle erscheinen. Ob das Hotel bei einer konkreten Frage nach einem Wanderhotel tatsächlich empfohlen wird, wissen wir deshalb noch nicht.
Mit unserem AI Visibility Check & Care überprüfen wir, ob und bei welchen Fragen Betriebe genannt oder empfohlen werden.
Der Check liefert eine erste Standortbestimmung. Da sich KI-Antworten laufend verändern, braucht es aber regelmäßige Vergleichsmessungen. Genau hier setzt das AI Visibility Care an: Entwicklungen beobachten, Veränderungen erkennen und Optimierungsmaßnahmen ableiten.

KI-Sichtbarkeit ist eben kein einmaliges Projekt, sondern ein laufender Prozess.
Innovation beginnt nicht mit einem Prompt
Der zweite Workshop mit Michael Bednar-Brandt begann mit einer überraschend schwierigen Frage: Welche Innovationen hat es im Tourismus eigentlich gegeben?
Unsere Gruppe kam unter anderem auf Gästekarten, Buchungstools und Zimmerkarten. Heute selbstverständlich, irgendwann aber einmal eine neue Idee.
Die zentrale Erkenntnis: Eine Idee allein ist noch keine Innovation. Entscheidend ist, ob sie umgesetzt wird und einen tatsächlichen Nutzen bringt.
Ich glaube, wir machen es uns manchmal zu einfach, wenn wir KI nach zehn innovativen Ideen fragen und davon ausgehen, dass darunter schon etwas wirklich Neues sein wird.
Natürlich kann künstliche Intelligenz Ideen liefern. Aber verlassen wir uns ausschließlich darauf, landen wir meiner Meinung nach irgendwann alle bei ziemlich ähnlichen Konzepten.
Für mich ist die Reihenfolge deshalb klar:
- Erst das Problem verstehen.
- Dann eigene Ideen entwickeln.
- Und anschließend KI nutzen, um diese Ideen weiterzubringen.
Vier Jahre KI – und wir glauben schon, wir sind zu spät dran?
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Keynote „Next Level Work“ von Jens Polomski mit seinem Rückblick auf die Entwicklung der generativen KI seit der Veröffentlichung von ChatGPT Ende 2022.
Gerade einmal vier Jahre!
Natürlich gibt es künstliche Intelligenz schon wesentlich länger. Aber erst seit Ende 2022 ist generative KI für viele von uns im Arbeitsalltag angekommen. Und trotzdem haben wir manchmal das Gefühl, ständig hinterherzulaufen und längst alles wissen zu müssen.
Dabei fand ich einen weiteren Gedanken von Jens besonders wichtig: Mehr KI-Tools bedeuten nicht automatisch bessere Ergebnisse. Entscheidend ist, dass wir wissen, wofür wir sie einsetzen, ihre Ergebnisse kritisch prüfen und die Verantwortung nicht abgeben.
Vielleicht sollten wir uns öfter daran erinnern: Wir stehen bei der breiten Nutzung generativer KI noch ziemlich am Anfang. Wir müssen nicht jedes Tool kennen oder jedem Trend folgen. Aber wir sollten die Möglichkeiten verstehen, sinnvoll nutzen und dabei selbst weiterdenken.
Stop talking AI. Start playing it.
So lautete das Motto des AI Enabling Day. Und die Österreich Werbung hat es wirklich gut umgesetzt!
Schon das Get-together im Zoku Vienna war ein gelungener Einstieg. Auch die Co-Innovation Factory bot einen hervorragenden Rahmen für die Workshops und Keynotes.
Besonders gefallen hat mir LOOP und seine Raketen-Reise. Mit kleinen Missionen und Challenges auf der Event-Website konnten wir LOOP helfen, wieder in die AI-Galaxie zurückzukehren. Eine kreative und spielerische Begleitung durch die gesamte Veranstaltung.

Auch der Roboter Tova, vorgestellt von Emily Genatowski, war ein spannender Blick in die Zukunft. Und gleichzeitig ein Beispiel dafür, dass zwischen technischen Möglichkeiten und ihrem praktischen Einsatz noch einige Herausforderungen liegen.
Ein großes Dankeschön an die Österreich Werbung für diese rundum gelungene Veranstaltung! Tolle Locations, interessante Speaker, praxisnahe Workshops und vor allem wertvoller Austausch mit anderen Touristiker:innen.
Was ich aus Wien mitnehme
Der AI Enabling Day hat mir neue Perspektiven eröffnet und vieles bestätigt, womit wir uns bei crosseye bereits beschäftigen.
KI kann uns bei Ideen, Strategien und Prozessen unterstützen. Aber Erfahrung, Kreativität und kritisches Denken bleiben entscheidend.
Wir müssen nicht alles sofort können und schon gar nicht jedem Trend hinterherlaufen. Aber neugierig bleiben, ausprobieren, hinterfragen und dazulernen.

Du hast Fragen rund um Künstliche Intelligenz?
Melde dich gerne bei mir!
Edda Meraner
Projektteam- & Büroleitung
Häufig gestellte Fragen zur KI im Tourismus
Wie können Hotels und Tourismusbetriebe KI sinnvoll einsetzen?
KI kann bei der Entwicklung von Marketingstrategien, der Erstellung von Inhalten und der Optimierung interner Prozesse unterstützen. Wichtig ist, zuerst die eigenen Ziele und Herausforderungen zu definieren und anschließend passende KI-Anwendungen auszuwählen.
Was bedeutet GEO für Hotels und Tourismusregionen?
GEO (Generative Engine Optimization) bezeichnet die Optimierung von Inhalten für KI-gestützte Suchsysteme wie ChatGPT oder Google AI. Ziel ist es, dass Hotels und Tourismusregionen bei relevanten Gästeanfragen sichtbar werden und möglichst auch als Empfehlung erscheinen.
Wie können Hotels ihre Sichtbarkeit in KI-Systemen verbessern?
Entscheidend sind hilfreiche Website-Inhalte, die konkrete Gästefragen beantworten, sowie aktuelle und einheitliche Informationen auf relevanten externen Plattformen. Regelmäßige Sichtbarkeitsanalysen helfen dabei, Verbesserungspotenziale zu erkennen.
Wie lässt sich überprüfen, ob ein Hotel von KI empfohlen wird?
Mit gezielten KI-Sichtbarkeitsanalysen lässt sich untersuchen, bei welchen Suchanfragen ein Hotel genannt oder empfohlen wird. Dabei ist wichtig, zwischen einer Quellenangabe und einer tatsächlichen Empfehlung zu unterscheiden. Da sich KI-Antworten laufend verändern, sind regelmäßige Kontrollen sinnvoll.
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Liebe Alexandra, lieber Dietmar! So nette Worte zu lesen, freut uns natürlich besonders. Danke für die gute Zusammenarbeit und auf…
Liebe Crosseye Team, fühlen uns perfekt und kompetent begleitet, weiter so! 🙂 Herzlichen Dank für die wertschätzende Zusammenarbeit! Eure Alexandra…