Wenn den Relaunch die Konkurrenz macht

Heute erzähle ich einmal von verlorenen Aufträgen. Unüblich, oder? Und eine „Gute Nachricht“ ist das auch nicht – aber trotzdem, alles hat sein Gutes, und da es mich beschäftigt, muss ich meine Gedanken dazu hier los werden.

In 16 Jahren Unternehmensgeschichte kommt es natürlich vor, einen Auftrag zu verlieren. Das ist nicht angenehm, aber natürlich legitim – Kunden wollen neue Erfahrungen machen. Wie geht es mir dabei? Na ungefähr so:

 

Sich die Haare raufen @ Istockphoto

 

Im ersten Moment zumindest. Es wird hinterfragt, nach Fehlern gesucht, intern viel darüber diskutiert – es kostet also jede Menge Energie und oft auch persönlichen Herz-Schmerz. Ich gehe also durch gewisse Phasen:
geschockt – verärgert – persönlich betroffen – mir ist es wurscht – motiviert: Daraus lernen wir!
Also am Ende habe ich auch was davon, wir lernen daraus :-) .

In letzter Zeit ist es allerdings so, dass sich da noch eine Phase auftut – die „ich bin verwundert“-Phase. Nämlich über die Kardinalfehler, die beim Relaunch auftauchen. Oft haben wir unsere Kunden jahrelang vorher begleitet und an viele Grundsätze im eTourismus herangeführt. Viele gemeinsame Termine, viele Gespräche und Projekttermine, eine gemeinsam umgesetzte Website (die erfolgreich war!), viele Auswertungen, viele Analysen. Ich habe immer das Gefühl, dass sich unsere Kunden mit uns mitentwickeln. Eigenes Know-How wird aufgebaut – und das ist gut so!

Umso mehr wundert es mich dann, wenn im Relaunch Dinge umgesetzt werden, die wir als Agentur einfach nicht zugelassen hätten – vielleicht sind wir da manchmal zu streng mit unseren Kunden ;-).
Natürlich gibt es auf jeder Website Fehler zu finden und Verbesserungen zu machen. AUCH AUF UNSEREN!!!

Und ich bin der Meinung, eine Website schaut so aus, wie sie ausschaut, weil es seinen Grund hat: Da gibt es den Kunden, die Werbeagentur, die Webagentur, den Bruder, der einmal einen Webdesign-Workshop besucht hat, den Hotelsoftware-Vertriebler, den IT-Profi-Hotelgast, den netten Kollegen, den erfahrenen Mitarbeiter usw. – viele Personen also, die zum Endergebnis beitragen.
Am Ende allerdings ist es meiner Meinung nach schon die Webagentur, die ein paar Dinge einfach nicht zulassen darf.

Zum Beispiel sollte der Relaunch unter gleicher Domain keine 27.000 Fehler in den Webmaster-Tools produzieren:

27.000 Website-Fehler

 

Oder 48 HTML Fehler im W3C Validator:

w3c Fehler

Oder die Startseite mit einer 302-Weiterleitung auf die Seite domain.at/de/ umgeleitet wird. Was für ein Wahnsinn – alle langwierig aufgebauten Verlinkungen sind damit in Gefahr. „Mit 302 verwirrt man Google. Und wenn man Google nicht verwirren will sollte man keine 302 einsetzen.“ (Zitat von Jens Fauldrath :-) )

Oder wichtige Domains (strategische Domains) werden beim Relaunch einfach vergessen und laufen ins Leere.

Oder die Regeln der Website-Struktur und Meta-Informationen werden komplett missachtet. Da gibt es viele Seiten die überhaupt keine H1, H2,.. haben und andere, die dann so ausschauen:

Überschriften Fehler

Von Google Analytics Codes, Conversion-Tracking, Externe-Links-Tracking, Google Webmaster-Tools Verifizierung usw. spreche ich da ja noch gar nicht. Da brauche ich meist gar nicht anfangen zu suchen.

Dazu noch so ganz grobe Fehler in der Gäste-Führung :

  • Pauschalangebote sind nicht einmal mehr anfragbar.
  • Links im Text sind nicht als solche erkennbar, nur wenn man per Zufall draufkommt.
  • Kalender in der Anfrage-Box funktionieren am Mobiltelefon nicht.
  • Hotel-Anfrage-Formulare die überhaupt komplett ohne Kalender oder Datumsfelder dargestellt werden.
  • Navigationspunkt „Preise“ wird nicht mehr angeführt und die Preisliste ist nur mehr als PDF abrufbar.
  • Diese PDFs öffnen sich dann im selben Fenster und der Gast findet nie mehr wieder zurück auf die Website.
  • Die Seite ist zwar responsive, aber die Navigation auf einzelne Unterseiten ist immer nur über die Seite HOME möglich.
  • Diese Liste könnte ich noch lange weiterführen….

Da frage ich mich schon, ob der Kunde, der vorher sehr anspruchsvoll war, jetzt „blind“ vor lauter „Schönheit“ seiner Website ist. Die technischen Dinge sind klar, die erkennt er vielleicht nicht – aber die Fehler in der Gäste-Führung? Das enttäuscht mich ja fast, wenn er nach vielen gemeinsamen Stunden mit uns diese Fehler nicht erkennt.

Genau da hinterfrage ich auch unsere Arbeit. Was können wir tun, um unsere Kunden noch besser zu schulen und aufmerksam auf diese vielen, vielen, kleinen, aber extrem wichtigen Dinge zu machen. Ufff… das wird schwierig.

Aber: Sie kennen uns, wir werden einen Weg finden – und der nächste Relaunch gehört wieder uns :-).

 

 

 

 

7 Kommentare

  1. Wagner
    Wagner 22. Mai 2015 at 18:07 . Kommentar

    Neugierig! Möchte wissen wie der Relaunch aussieht!!!! Nicht weil ich mich über Fehler meiner Mitbewerber freuen würde, aber nächstes Jahr tun wir wieder was.
    Lg Wagner
    Vier Jahreszeiten

  2. markus
    markus 23. Mai 2015 at 06:38 . Kommentar

    Liebe Evelyn, ein ehrlicher und guter Blogpost. Viel Erfolg beim sensibilisieren deiner Kunden. :-)

  3. Ingeborg Berta
    Ingeborg Berta 28. Mai 2015 at 22:04 . Kommentar

    Ich beuge demuetig mein Haupt und bin froh, dass ihr meine Website macht

  4. Andreas
    Andreas 29. Mai 2015 at 16:15 . Kommentar

    Die meisten Kunden gehen im Alltagsgeschäft unter und haben nur gaaaanz wenig Zeit (und Energie) um sich dann um Details zu kümmern. Technische Sachen wie die oben beschriebenen Umleitungen sind dann sicher schon zu viel, die Menüführung sollte aber jeder überprüfen können – das stimmt schon.

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